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Pressemitteilung
Nr. 4 / 01
12. Juli 2001

BDP mahnt zu differenziertem Umgang mit dem Thema Sexualstraftäter

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat sich für die lebenslange Sicherungsverwahrung von Sexualstraftätern wegen angeblicher Nicht-Therapierbarkeit ausgesprochen. Wenn seine Äußerungen zu einer nachträglichen Anordnung von Sicherheitsverwahrung inzwischen durch die Minister Däubler-Gmelin und Schily auch relativiert bzw. juristisch zurechtgerückt worden sind, so sieht der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) sich doch zu einer Stellungnahme veranlasst.
Eine weitere Emotionalisierung des Themas hält der BDP für bedenklich, verunsichert sie doch nicht nur die Öffentlichkeit, sondern führt auch weg vom sozialwissenschaftlichen Kenntnisstand. Entgegen medial vermittelten Eindrücken ist die Fallzahl sexuell motivierter Tötungen von Kindern in den vergangenen Jahren rückläufig. Auch die Rückfälligkeit ist mit etwa einem Fünftel der verurteilten Täter niedriger als in der Öffentlichkeit vermutet.

Es ist irreführend, die Täter pauschal als nicht therapierbar zu bezeichnen. Nach Ansicht des BDP ist nur ein sehr kleiner im Mittelpunkt des Medieninteresses stehender Teil der Sexualstraftäter nach heutigem Kenntnisstand nicht therapierbar. Bei der übergroßen Mehrheit, die durch gewalttätige Erziehung oder andere Umstände vorgeprägt ist, greift Therapie sehr wohl oder würde greifen. Unseres Erachtens werden Sexualstraftäter in deutschen Strafanstalten jedoch noch immer zu sehr verwahrt und zu wenig therapiert.
Bei vielen wird gar keine Therapie angewandt oder erst nach 10 Jahren Gefängnis begonnen. In einigen Fällen wird mit der Behandlung durch einen Psychiater eine falsche Richtung eingeschlagen, denn durch eine vorwiegend medikamentöse Therapie sind viele Sexualstraftäter wirklich nicht erfolgreich behandelbar.
Es ist also ein völlig falscher, an der Realität vorbei gehender Ansatz, über die Notwendigkeit des Wegschließens auf Lebenszeit wegen angeblicher Nicht-Therapierbarkeit zu sprechen. Obwohl seit langem eine Beschlusslage des Bundes zum Ausbau der therapeutischen Angebote im Maßregelvollzug vorliegt, geschieht auf der zuständigen Länderebene aus Geldmangel zu wenig in dieser Richtung. Die Mittel wurden im Gegenteil so stark reduziert, dass die zum Teil von Sozialpädagogen durchgeführten Maßnahmen nicht viel mehr als eine Alibi-Funktion haben.

Solange Meinungsträger in der Gesellschaft auf dem Standpunkt stehen, Strafanstalten seien billiger als Therapieeinrichtungen und Geldausgaben "für diese Schweine" reine Verschwendung, solange wird zwar eine bestimmte Stammtischmentalität bedient, die Lage aber nicht verbessert.
Auch der Vorwurf, Sexualstraftäter träfen zu oft auf milde Gutachter, ist aus Sicht des BDP unberechtigt. Äußerungen wie diese setzen Gutachter unter einen enormen emotionalen Druck, der eine Begutachtung auf wissenschaftlicher Grundlage sehr erschwert. Weniger die Gutachter verdienen Kritik als vielmehr die Vorgehensweise, nach der Expertisen erst Jahre nach der Verurteilung erstellt werden, was häufig zu unverhältnismäßigen Entscheidungen zu Lasten der Täter führt.

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen plädiert entschieden für eine sachbezogene Behandlung dieses Themas. Diese verbietet es, die Illusion zu nähren, dass durch Wegschließen Gefahren generell gebannt werden können. Sie verlangt einen unverstellten Blick auf die Fakten. Zu diesen gehört auch die Tatsache, dass von den Möglichkeiten des geänderten Strafrechts (höhere Haftstrafen, schärfere Therapieauflagen, Sicherheitsverwahrung nach Verbüßung der Strafe) zunehmend Gebrauch gemacht wird und damit eine bedeutende Verbesserung für die Sicherheit der Öffentlichkeit erreicht worden ist.



Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Tel. 030-20 91 49 59
e-Mail: presse@bdp-verband.org