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Pressemitteilung
Nr. 14 / 01
2. November 2001

Frauen wollen nicht krankgeredet werden

21. Kongress für Angewandte Psychologie zum Thema Frauengesundheit

Beim 21. Kongress für Angewandte Psychologie in Bonn, wo noch bis Sonntag mehr als 700 Psychologen aus allen Teilen der Bundesrepublik diskutieren, stand heute (Freitag) die Frauengesundheit auf dem Programm. Psychologinnen warnten davor, Übergangsphasen im Leben von Frauen zu risikoreichen Zuständen umzudeuten. Dieses Vorgehen führe zu einem enormen völlig überflüssigen Kostenanstieg im Gesundheitswesen und richte darüber hinaus großen psychologischen Schaden unter den Frauen an. Die Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauengesundheit, Ulrike Hauffe, verwies auf den unverhältnismäßig hohen Anteil von Frauen über 50 Jahren, die Hormone einnehmen (50% gegenüber 2% in Holland). Dies sei eine Folge dieses Herbeiredens von Krankheiten, bei denen es sich in Wahrheit um normale Entwicklungsabschnitte handele. Hauffe verwies auf eine Metastudie zur Hormonbehandlung, die die Unwirksamkeit der entsprechenden Präparate gegen die meisten Beschwerden ergeben hat.
Die stetig wachsende Zahl von angeblichen Risikoschwangerschaften sei ebenfalls ein deutsches Phänomen mit gewalten Folgen für die Kosten und die psychische Belastung von Schwangeren.
Starke Einsparungen im Gesundheitswesen sind nach Ansicht der Psychologinnen auch zu erwarten, wenn vor diagnostische Maßnahmen neutrale Aufklärung gestellt wird. In der Praxis berieten oft diejenigen die Patientinnen, die anschließend von der Entscheidung der Beratenen direkt profitierten.
Politische Weichenstellungen, so erklärte Inge Neiser, Mitglied des Präsidiums des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen, liegen noch immer in den Händen von Institutionen, die total von Männern dominiert sind. Die Gesundheitskonferenzen in einigen Bundesländern seien so gesehen demokratisch nicht legitimiert. Bei der Überarbeitung der Weiterbildungsordnung der Ärzte sei es dringend erforderlich, der Gender-Mainstream-Problematik mehr Raum zugeben. Studien, wonach Frauen bei gleicher Symptomatik wie Männer ganz andere Diagnosen und weit häufiger Psychopharmaka verordnet bekommen, deuten auf Vorurteile aber auch auf Defizite in der Ausbildung der Ärzte hin.
Neiser begrüßte die Einrichtung eines Referats für frauenspezifische Gesundheitspolitik im Bundesgesundheitsministerium. Sie erwartet von dieser Seite Anstöße zur Erforschung sozialer und frauenspezifischer intrapersoneller Faktoren. Doppelbelastung durch Familie und Beruf, Gewalterfahrung, die derzeit geltenden Normen für Schönheit, Erfolgsdruck u.a.m. sind kritisch zu hinterfragen und in den Zusammenhang mit der Zunahme von Essstörungen zu stellen.



Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Tel. 030-20 91 49 59
e-Mail: presse@bdp-verband.org