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Pressemitteilung

Psychologen halten Forderung nach "gesundem" Nationalstolz für gefährlich

Weg zu Vorurteilen und Fremdenfeindlichkeit nicht weit

Die verstärkte und undifferenzierte Äußerung von Nationalstolz trägt nach Einschätzung von Sozialpsychologen dazu bei, dass Vorurteile und Fremdenfeindlichkeit zunehmen. Es sei deshalb gefährlich, wenn Politiker einen "gesunden" Nationalstolz einfordern und verlangen, diesen wieder unbeschwerter äußern zu dürfen, erklärt der Präsident des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) Lothar J. Hellfritsch. Der Diplom-Psychologe beruft sich dabei auf Erkenntnisse der Arbeitsgruppe Sozialpsychologie um Prof. Dr. Ulrich Wagner an der Universität Marburg. "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein" sollte nach Meinung der Forscher im Repertoire von Meinungsbildnern nicht vorkommen.

Für sinnvoll halten die Marburger Psychologen hingegen die Differenzierung von Bundespräsident Johannes Rau. Rau unterscheidet Dinge, über die man froh sein kann, z.B. dass man in Deutschland lebt, von Dingen, auf die man stolz sein kann, weil man sie selbst vollbracht hat. Dazu kann nach Rau nicht gehören, dass man stolz ist, ein Deutscher zu sein, weil dies keine Leistung ist, die man mit eigener Anstrengung erbracht hat.
Diese Position wird nach Erkenntnissen der Sozialpsychologen durch empirische Daten gestützt: Untersuchungsergebnisse zeigen, dass Menschen, die ein höheres Maß an Nationalstolz äußern, auch größere Vorurteile gegenüber Ausländern haben. Die Äußerung "Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein", geht in Meinungsumfragen einher mit stärkerer Fremdenfeindlichkeit. Eine besondere Identifikation mit der Gruppe der Deutschen ist mit einer verstärkten Abwertung der Fremden verbunden. Gefährlich in diesem Sinne scheinen vor allem nationale Identifikationen zu sein, die gleichzeitig - zum Teil implizit - Deutschland und die Deutschen besser dastehen lassen als andere.

Stolz z.B. auf demokratische oder kulturelle Leistungen ist dagegen nicht schädlich, weil es nicht zur Abwertung von Nicht-Deutschen führt. Befragte, die sich hoch mit demokratischen und sozialstaatlichen Leistungen Deutschlands identifizieren, zeigen weniger Ausländerfeindlichkeit. Wie weitere Untersuchungen zeigen, hängt die Wirkung nationaler Identifikation von der Art des Vergleichs ab: Sie ist mit stärkerer Ablehnung von Ausländern verbunden, wenn die Befragten gleichzeitig zu einem Vergleich zwischen Staaten aufgefordert werden (Deutschland im Vergleich zu anderen Staaten). Ein solcher Zusammenhang verschwindet, wenn ein temporaler Vergleich vorgenommen werden soll ("Begründen Sie, was Sie besser daran finden, heute in Deutschland zu leben als zu einer früheren Zeit in diesem Jahrhundert") oder wenn gar nicht zu einem Vergleich aufgefordert wird.



Christa Schaffmann, Pressesprecherin
Tel. 030-20 91 49 59
e-Mail: presse@bdp-verband.org