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Herausforderung, nicht Belästigung

DIN-Norm unterstützt qualifizierte Eignungsdiagnostik

Mit dem Wort Norm haben einige Kollegen ihre Schwierigkeiten. Setzt man stattdessen den Begriff Qualität, ist einem allgemeine Zustimmung sicher. Um nichts anderes als Qualitätssicherung geht es aber bei der DIN 33430. Will ich Qualität überprüfen, brauche ich Kriterien. Im Fall der Einstellungsdiagnostik hat das Deutsche Institut für Normen es für sinnvoll erachtet, nicht die Arbeit der Psychologen, sondern die Dienstleistung zu normieren. Diese Entscheidung ist vor dem Hintergrund einer europäischen und internationalen Entwicklung gefallen, in der mehr und mehr die Tätigkeiten bzw. Dienstleistungen und nicht Berufsbezeichnungen geschützt werden. Das mag beklagen, wer will, es ist Realität.
Mit der DIN 33430 besteht die Chance, die Qualität von Eignungsbeurteilungen bei der Berufswahl, der Auswahl von Bewerbern für eine Stelle und bei internen Personalentscheidungen zu erhöhen. Personalentscheidungen können über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Den Falschen genommen und den Richtigen abgelehnt zu haben, bedeutet in der Regel hohe Kosten, Zeitverlust beim Umsetzen einer Marktstrategie und Schaden für das Image. Oft werden solche Fehlentscheidungen erst nach Jahren deutlich, wenn sich herausstellt, dass es jemand doch an strategischen Fähigkeiten gebricht, seine Führungskompetenzen begrenzt sind und er nicht flexibel genug auf Marktveränderungen reagiert. Aus diesen Fehlentscheidungen kann oft der nicht mehr lernen, der sie gefällt hat. Umso wichtiger ist es, den Auswahlprozess transparenter zu machen. Dazu trägt die Norm bei.
Aber natürlich profitieren nicht nur Arbeitgeber und Bewerber von der DIN 33430, sondern auch die Psychologen. Stark verdichtet liefert sie auf dreizehn Seiten ein Gerüst für diagnostische Tätigkeit. Das könnte man sich mühselig auch aus verschiedenen Lehr- und Fachbüchern zusammenstellen. Hier wird es einem kompakt und präzise geliefert. Wer im Beruf steht, muss immer wieder mal begründen, warum er was tut. Auch dabei unterstützt die Norm.
Wir sprechen viel vom selbstgesteuerten, berufsbegleitenden lebenslangen Lernen. Die Norm ist ein Teil davon. Sie konfrontiert uns mit dem Stand der Kunst berufsbezogene Eignungsbeurteilung, zwingt zum Reflektieren des eigenen Tuns und gibt uns die Chance, dies auf den heutigen Stand zu bringen. Das kann eigentlich nur die stören, die sich wenig darum scheren, wie sich zehn oder zwanzig Jahre nach Ende ihres Studiums Fach und Wissenschaft weiterentwickelt haben und sich von neuen Anforderungen eher belästigt als herausgefordert fühlen.
Der eine oder andere Kollege mag den Eindruck haben, dass mit der Norm auf ihn Weiterbildungskosten zukommen, die andere Kollegen durch die Gnade einer früheren Geburt oder konsequenten Spezialisierung nicht hatten. Dem ist nicht so. All diejenigen, die sich in den vergangenen Jahren auf dem Gebiet der Eignungsdiagnostik spezialisiert, Kongresse und Tagungen besucht, Kunden akquiriert, allmählich Kompetenz erworben und Erfahrungen gesammelt haben, mussten in der Vergangenheit Zeit und Geld investieren. Die Norm bestätigt sie in ihrer Arbeit.
Außerdem bedeutet die Norm eine ungemeine Rückendeckung für Psychologen, was den Umgang mit dem Bewerber bzw. dem zu beurteilenden Menschen betrifft, die uns nicht selten unfreiwillig gegenüber sitzt.. Eine bestimmte Haltung, Transparenz und Beziehungsgestaltung diesem gegenüber ist jetzt nicht nur persönliches Anliegen, basierend auf unsere Berufsethik, sondern ausdrücklich empfohlen.
Mit der Norm bewegen wir uns zudem weiter auf Europa zu. Es gibt seit langem eine internationale Testkommission, seit langem einen Zusammenschluss der diagnostisch tätigen Kolleginnen und Kollegen, sowohl der akademischen als auch der Berufspraktiker, es gibt eine europäische Gesellschaft für Assessment und Testpsychologie. Sie alle sind dabei, Standards und Normen der Konstruktion und der Testentwicklung wie auch der Anwendung miteinander abzustimmen, wobei unsere englischen Kollegen besonders weit vorangeschritten sind. Es ist gut, dass wir Schritt halten, Prozesse mit gestalten, wie wir es mit der DIN 33430 getan haben.

Carola Brücher-Albers

Aus: Report Psychologie 5-6/2002