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Der lange Weg zu einer DIN-Norm

Viel Energie und Sachverstand für eine gute Sache

Die Idee, dass psychologische Testuntersuchungen den gleichen Qualitäts-Anforderungen entsprechen sollten wie andere Dienstleistungen hat viele Vorteile für verschiedene Gruppen:

  • Für den Verbraucher (also denjenigen, der sich einem Testverfahren unterziehen muss) der keinem Scharlatan in die Finger geraten möchte
  • für den Auftraggeber, der eine gleichbleibend hohe Qualität der von ihm bezahlten Untersuchungen wünscht
  • und schließlich für den qualifizierten Testanwender, der sich von unqualifizierter Konkurrenz besser abgrenzen kann.

Auch Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften müssten das eigentlich gut finden, von Testautoren und Testverlagen mit ihrem unmittelbaren Interesse an der Qualität ihrer Produkte ganz zu schweigen.
Auch Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften müssten das eigentlich gut finden, von Testautoren und Testverlagen mit ihrem unmittelbaren Interesse an der Qualität ihrer Produkte ganz zu schweigen.
Die DIN 33430 stellt eine allgemein verbindliche Regelung für alle Beteiligten in einem Bereich dar, in dem Grauzonen von selbstgestrickten Psycho-Tests bis hin zum unqualifiziertem Umgang mit den Probanten vermutet werden dürfen. Und das bei schätzungsweise zwei Millionen Testdurchführungen pro Jahr allein bei beruflichen Eignungsuntersuchungen. Wenn etwas gesellschaftlich so erwünscht und notwendig ist, sollte man erwarten, dass es relativ rasch zustande kommt. Doch weit gefehlt!
Ein erster Versuch zur Normung psychologischer Testverfahren soll vor vielen Jahren bereits im Ansatz kläglich gescheitert sein, weil sich die beteiligten Kreise nicht auf einen Konsens einigen konnten.
Der zweite Versuch wurde 1994 gestartet. In einer Sitzung in Potsdam ließ sich das damalige BDP-Präsidium unter Lothar Hellfrisch am 17. September 1994 von einem Vertreter des Deutschen Instituts für Normung erklären, wie die Erstellung einer DIN-Norm für psychologische Testverfahren ablaufen könnte.
Bei dieser ersten Diskussion wurde bereits klar: Eine DIN-Norm ist ein freiwillige Regelung, die nur dann greift, wenn die Auftraggeber sie zum Be-standteil ihrer Aufträge machen. Sie hat nur dann eine qualitätssteigernde Wirkung, wenn sie von allen Beteiligten anerkannt und zur rechtlichen Grundlage ihrer Geschäftprozesse gemacht wird.
Außerdem stellten sich folgende Fragen:

  • Sollte es eine "Material-" oder eine "Prozess-Norm" geben? Sollten nur die Tests genormt werden oder auch ihre Anwendung, d.h. das gesamte diagnostische Vorgehen?
  • Sollten alle psychologischen Testverfahren genormt werden oder nur Tests für bestimmte Bereiche?

Erst Kontakte mit der Deutschen Gesellschaft für Psychologie ergaben, dass bei den wissenschaftlich arbeitenden Kolleginnen und Kollegen große Unkenntnis über die Vorgehensweise bei der Erarbeitung eines solchen Quali-tätsstandards und die Auswirkungen einer DIN-Norm herrschte.
Es setzte eine heftige, z.T. ausgesprochen emotionale Diskussion ein über das Für und Wider einer Test-DIN-Norm. Insbesondere aus dem Bereich der klinische Psychologie kam der Einwand, klinisch-psychologische Testverfahren könnten nicht genormt werden wie etwa Schrauben. Der diagnostische Prozess sei hier so komplex, dass er sich einer standardisierten Qualitätssi-cherung entziehe nach dem Motto "klinische Diagnostik ist eine Kunst!"
Trotz dieser Diskussion stellte der BDP im Oktober 1995 einen Antrag auf Erstellung einer DIN-Norm für psychologische Testverfahren.
Daraufhin wurden vom DIN alle interessierten Kreise angeschrieben und am 9. Juni 1997 fand schließlich die konstituierende Sitzung des neuen Nor-mungsausschusses statt mit insgesamt 16 Fachvertretern. Prof. Hornke wurde zum Obmann des DIN-Ausschusses gewählt, Prof. Schmitt zum Stellvertreter.
Allerdings war trotz der Einberufung eines DIN-Ausschusses die kontroverse Fachdikussion noch lange nicht beendet. Der Durchbruch kam erst auf einer gemeinsamen Konferenz von BDP und DGPs auf Einladung des Testkuratori-ums am 29. November 1997 in Bad Breisig, an der alle Experten teilnahmen, die im Bereich der psychologischen Diagnostik Rang und Namen hatten.
Hier ist es insbesondere dem damaligen Präsidenten der Deutschen Gesellschaft Prof. Amelang und Prof. Wottawa gelungen, die Wogen zu glätten und einen tragfähigen Kompromiss herbeizuführen. Dieser hieß: Es werden zuerst die Testverfahren zur beruflichen Eignungsdiagnostik angangen. Und es wird keine reine Materialnorm geben, sondern eine DIN-Norm für den gesamten diagnostischen Prozess. Assessment-Center werden in die Norm einbezogen.
Aber das Ganze musste auch finanziert werden, denn das DIN finanziert seine Arbeit aus Zuwendungen der an der jeweiligen DIN-Norm interessierten Kreise, z.B. der Industrie. Die finanzielle Unterstützung durch den BDP von DM 50.000 jährlich und Zuwendungen des Bundesverteidigungsministerums machten es erst möglich, die Arbeiten durchzuführen.
Eine Gremium von BDP-Fachleuten, der sog. DIN-Spiegel-Ausschuss begleitete die Arbeit des Normungsgremiums.
Wenn die Norm nun Mitte diesen Jahres veröffentlicht wird, dann sind es genau acht Jahre her, seit der Präsidiumssitzung in Potsdam. Viel Energie und Sachverstand ist in eine gute Sache gesteckt worden. Wenn die Auftraggeber von Testuntersuchungen ihre Aufträge nur noch nach DIN 33430 vergeben, dann wird der Testbereich zumindest bei der Berufseignung eine Quanten-sprung nach vorne machen!

Dr. Ulrich Winterfeld
Vizepräsident des BDP von 1993 - 1998, Vorsitzender der DIN-Spiegel AG des BDP
e-mail: ulrich.winterfeld@arcor.de

Aus: Report Psychologie 5-6/2002