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Teilnehmer mit Ergebnissen aus Psychotests nicht alleine lassen!

Stellungnahme zur RTL-IQ-Show

Die Mitglieder des Testkuratoriums Prof. Dr. Reinhold S. Jäger (Universität Koblenz-Landau) und Prof. Dr. Klaus D. Kubinger (Universität Wien), nehmen aus Anlass der Sendung die "Große IQ-Show" von RTL am 6. September 2002 und bezugnehmend auf die erste derartige Sendung am 8. September 2001 wie folgt Stellung:

1. So genannte Psychotests in Zeitschriften und seit letztem Jahr ein Abendprogramm an prominenter Stelle mit der Thematik "IQ-Tests" dienen offensichtlich zur Unterhaltung von Personen.

2. Diese Versuche stehen dem Bemühen von Diplompsychologinnen und -psychologen gegenüber, mit Hilfe von psychologisch-diagnostischen Verfahren (Psychologischen Tests) Erkenntnisse über Personen und Institutionen zu gewinnen. Diese Erkenntnisse werden in Beratungs- und Förderungssituationen hilfreich eingesetzt, und sie dienen unter anderem auch dazu, für wirtschaftliche Unternehmen die geeigneten Personen zu finden.

3. Solche wissenschaftlich gestützten Verfahren - also auch Intelligenztests - müssen in der wissenschaftlichen Psychologie, bevor sie zur Anwendung kommen, theoretisch begründet, entwickelt, überprüft und abgesichert sein. Hierüber wacht die Gemeinschaft der Psychologen, vertreten durch ihre Verbände, vor allem über das sog. "Testkuratorium der Förderation der Deutschen Psychologenverbände". Das Testkuratorium zertifiziert u.a. solche Verfahren.

4. Angesichts der Erfordernisse um solche wissenschaftlich gesicherten Verfahren warnen wir davor, fragwürdige "Psychotests" einzusetzen, die angeblich einen Schluss auf die Intelligenz erlauben. Wir warnen auch davor, die Intelligenz einseitig nur in einem IQ auszudrücken. Vielmehr sollen unterschiedliche Bereiche der Intelligenz erfasst und für Zwecke der Diagnose und Prognose sowie für Fördermaßnahmen genutzt werden.

5. Solche Einschätzungen können nur in direkter Zusammenarbeit mit Personen geleistet werden, die Experten sind. Das sind die an Universitäten ausgebildeten Diplom-Psychologinnen und Diplom-Psychologen. Sie erst sind in der Lage einzuschätzen, unter welchen Umständen die Leistungen im Test erbracht wurden und wie die resultierenden Werte zu interpretieren sind.

6. Wir verweisen auf die Gefahr, dass aus solchen mehr spielerischen Zugängen falsche Schlüsse über die eigene Begabung in positiver wie negativer Richtung gezogen werden. Möglicherweise entstehen hieraus psychische Probleme bei Menschen, die mit den Ergebnissen allein gelassen werden.

7. Es gehört zu den berufsethischen Verpflichtungen von Diplom-Psychologen, alle Anwendungen von Testverfahren immer beratend zu begleiten und Wege zu finden, dass die betroffenen Menschen mit den Ergebnissen gut umgehen können.

8. Sendungen der genannten Art sind sicherlich geeignet, einen Einblick in die Tätigkeit von Diplom-Psychologen zu geben. Allerdings ist deutlich zu machen, dass Intelligenztests (IQ-Tests) nur einen Zugang unter vielen innerhalb der Psychologischen Diagnostik darstellen.

9. Um es deutlich zu machen: In der Sendung geht es um eine spielerische, nicht aber um eine repräsentative Prüfung von Wissen und "intelligenten" Fertigkeiten, ohne Konsequenzen im Sinne bestimmter Fragestellungen. In psychologischen Untersuchungen, welche auf der Basis der wissenschaftlichen Psychologie durchgeführt werden, geht es dagegen immer um die Beantwortung einer konkreten Fragestellung innerhalb eines bestimmten (Problem-)Zusammenhangs.

10. Diese Relativierung, nämlich Spiel auf der einen Seite und wissenschaftliche Klärung einer Fragestellung auf der anderen Seite, für die Teilnehmer am Test selbst und für die eingesetzten "Tests", halten wir im Interesse der Zuschauer für unabdingbar.

Prof. Dr. Reinhold S. Jäger (Zentrum für empirische pädagogische Forschung der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau), u.a. Vorsitzender des Testkuratoriums der Förderation der Deutschen Psychologenverbände).
eMail: jaeger@zepf.uni-landau.de)

Prof. Dr. Klaus D. Kubinger (Bereich Psychologische Diagnostik mit Test- und Beratungsstelle, Institut für Psychologie, Universität Wien), u.a. Mitglied des Testkuratoriums
eMail: klaus.kubinger@univie.ac.at

Siehe auch die Pressemitteilung zum Thema