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11.3.2010

Berufsaussichten von Bachelors der Psychologie

BDP-Präsidentin Carola Brücher Albers antwortet mit dieser Stellungnahme auf eine Anfrage des Konferenz-Rates der Psychologie-Fachschaften-Konferenz

Mit der Überschrift Ihrer Fragestellung sprechen Sie bereits den Kern des Problems an. Die deutsche Übersetzung der Bologna-Erklärung spricht nicht wie im Englischen von der ‚Relevanz für den Arbeitsmarkt‘, sondern davon, dass der Bachelor-Abschluss ein erster berufsqualifizierender Abschluss sein soll. Wie die jeweiligen Bachelors genannt werden sollen und welche Bachelors und Masters in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Bildung und Wirtschaft etc. ein gemeinsames Berufsbild mit gleicher Berufsbezeichnung und vergleichbaren Aufgaben bilden könnten oder sollten, bleibt offen.

Die Kombination aus dem dreijährigen Bachelor of Science und dem zweijährigen Master of Science löst im Bereich der Psychologie die bisherigen fünfjährigen Studiengänge ab. Die Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen stellt in ihrem Statement zur Bologna-Reform 2005 fest, dass das Äquivalent zum Diplomabschluss in Psychologie ein Bachelor of Science plus ein Master of Science sind.

Die wenigen vorliegenden Informationen über die derzeitigen Berufschancen von Bachelor-Absolventen der Hochschulen, die ihre Programme frühzeitig umgestellt haben, lassen natürlich noch keine endgültige Einschätzung zu, geben aber Anlass zur Besorgnis. Unsere Erfahrungen deuten darauf hin, dass Bewerbungen von Bachelors im Bereich der Pädagogischen und der Klinischen Psychologie auf die traditionellen Stellen für Psychologen kaum berücksichtigt werden. Arbeitgeber laden Bachelors eher aus Neugier zum Bewerbungsgespräch ein.

Allgemein ist zu bemerken, dass die Frage, mit welchem Abschluss welche Aufgaben bzw. Anforderungen zu erfüllen sind, mit der Regulierung bzw. fehlenden Regulierung eines Berufsbilds zu tun hat. Das lässt sich am Bereich der Wirtschaftspsychologie gut verdeutlichen. In der Wirtschaft sind Personalauswahl und Personalentwicklung zu mehr als 80 % in den Händen von Berufsfremden (Juristen, Betriebswirten, Kaufleuten). Hinzu kommt, dass die mit diesen Aufgaben verbundenen Anforderungen schon bisher nicht ausschließlich und streng auf Psychologen zugeschnitten sind. So ist es denkbar, dass ein Jurist oder Betriebswirt nur Teile der Personalauswahl verantwortet und der psychodiagnostische Anteil einem Psychologen übertragen wird. Daher ist der Arbeitsmarkt in diesem Feld offener für die Aufnahme von Bachelor-Absolventen. In den Bereichen Personalauswahl und Personalentwicklung bestehen unserer Einschätzung nach gute Einstiegschancen für Bachelor of Science in Psychologie mit einem Anwendungsfach Wirtschaftspsychologie.

In den Arbeitsfeldern der Klinischen und der Pädagogischen Psychologie wird - entsprechend der Vorgaben in den Landesschulgesetzen und den vertraglichen Bindungen zwischen Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen und ihren Kostenträgern - regelhaft ein fünfjähriges Niveau gefordert, meistens in Verbindung mit zusätzlichen Spezialisierungen. Da hier häufig nur ein Psychologe beschäftigt ist, der ein umfängliches Arbeitsgebiet mit mehreren Anwendungsfeldern abdecken muss, entspricht nach den Vorstellungen der Arbeitgeber erst die Kompetenz eines Diplom- oder Master-Absolventen mit einschlägiger Spezialisierung und Fortbildung den Anforderungen vor Ort.

In größeren Einrichtungen mit mehr als einer Psychologenstelle ist es jedoch vorstellbar, dass bislang nicht bzw. nicht nur von Psychologen ausgeübte Tätigkeiten künftig von Bachelor-Absolventen übernommen werden. Darunter fallen beispielsweise Gesundheitsförderung und Prävention, Beratung zu spezifischen Themen aus den Bereichen Gesundheit und Bildung, Aufklärung  und Durchführung von Diagnostik etc.. Wir gehen davon aus, dass Bachelors of Science in Psychologie im Vergleich zu anderen Disziplinen hochwertiger ausgebildet sind und daher auf dem Arbeitsmarkt Chancen in Bereichen haben, zu denen Diplom- und Master-Psychologen entweder bislang keinen Zugang oder an denen aufgrund des niedrigeren Gehaltsniveaus kein Interesse bestand.

Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass die von uns abgelehnte Quotierung der Master-Studienplätze seitens der Hochschulverwaltungen für die Disziplin Psychologie so ausfällt, dass alle, die unmittelbar weiter studieren wollen, einen Platz finden. Für den Fall von flächendeckenden Quotierungen und ihrer ausschließenden Wirkungen für Bachelor-Absolventen in Bezug auf eine Fortsetzung ihrer Ausbildung empfehlen wir denen, die unmittelbar in den Arbeitsmarkt eintreten, neue Arbeitsfelder zu erobern, auf denen bislang andere Berufsgruppen Dienstleistungen psychologischer Natur erbrachten. Unseres Erachtens stehen die Chancen dafür in der Pädagogischen Psychologie, der Bildungsförderung und Gesundheitsförderung und zum Teil auch in der Klinischen Psychologie gut. Auch aus diesem Grund erwarten wir keine Konkurrenz um Arbeitsplätze zwischen aktuellen Kohorten von Bachelor-Absolventen und Diplom-Absolventen.

Angesichts der Berufsaussichten von Bachelors of Science in Psychologie in Ländern mit langer Tradition des zweiggliedrigen Systems (z.B. Großbritannien, USA) erwarten wir nicht, dass die Mehrheit der Bachelor-Absolventen einschlägige Arbeitsplätze im psychologischen Dienstleistungsbereich finden wird. Berufsaussichten für Bachelors bestehen dort in allgemeinen Tätigkeiten in der Verwaltung und Dienstleistung, zu der keine spezielle psychologische Ausbildung erforderlich ist (z.B. Referententätigkeit, Geschäftsführungsassistenz u.ä.).

Als Berufsverband betrachten wir die Situation für Bachelor-Absolventen auf dem Arbeitsmarkt mit großer Besorgnis, insbesondere angesichts der augenscheinlich politisch gewünschten Quotierung von Master-Studienplätzen. Der BDP entwickelt Möglichkeiten und Strategien zur Förderung der künftigen Bachelors. Derzeit erarbeitet unsere Sektion Angestellte und Beamtete Psychologen Arbeitsplatzbeschreibungen einschließlich Eingruppierungsmerkmalen für Bachelors, um damit einerseits in Verhandlungen mit Arbeitgebern zu treten und andererseits den Bewerbern eine Orientierungshilfe für Gehaltsverhandlungen zu geben.

Dabei hat sich die Beschreibung der Arbeitsaufgaben von Bachelors an der Passung zwischen den erworbenen Kompetenzen und Fertigkeiten und den Anforderungen an die Tätigkeit im Arbeitsfeld zu orientieren. Je besser dies  gelingt, umso eher werden Personalchefs sich an den beschriebenen Tätigkeits- und Kompetenzprofilen orientieren und Bachelor-Absolventen des Faches Psychologie einstellen.