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16.11.2010

Stellungnahme an die Hochschulrektorenkonferenz

Quotierung von Masterstudienplätzen in Psychologie

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen möchte Ihnen seine Besorgnis im Hinblick auf die Quotierung von Studienplätzen in Master-Studiengängen der Psychologie zur Kenntnis bringen, da der Beruf des Psychologen in Europa und Deutschland regelhaft auf dem Masterniveau ausgeübt wird.

Im Bereich der Psychologie und allgemein in den Feldern Gesundheit und Bildung ist in den entwickelten Industriegesellschaften eine Anhebung der geforderten Berufsniveaus zu verzeichnen. Der Trend geht hier insbesondere in den sensiblen Bereichen, in denen freie Berufe ihren jeweiligen gesellschaftlichen Auftrag erfüllen, in die Richtung der Erhöhung der akademischen Niveaus von fünf auf sechs bis hin zu acht Jahren. Ein eigenständiges psychologisches Berufsbild auf zwei- oder dreijährigem Niveau hat daher in Deutschland keine Arbeitsmarktrelevanz. Dies wurde auch seitens der Politik im letzten Jahrzehnt so gesehen, als es um die vom BDP vorgeschlagene Einführung eines Berufsbildes „Psychologisch-technischer Assistent“ ging.

Prinzipiell ist zu konstatieren, dass die gesellschaftliche Nachfrage nach professionellen psychologischen Dienstleistungen in vielen Bereichen kontinuierlich ansteigt wie z.B. in den Feldern Bildung, Organisations- und Personalentwicklung sowie Gesundheit einschließlich des großen Bereichs der psychischen Gesundheit und der psychischen Störungen. Nach unserer Einschätzung würde eine Quotierung im Bereich der Psychologie ähnlich wie im Bereich der Medizin oder der Ingenieurswissenschaften gänzlich am gesellschaftlichen Bedarf vorbeigehen.

Die Nachfrage nach Studienplätzen in Psychologie steigt kontinuierlich an. Trotz immensen Wachstums der Disziplin blieben die Arbeitsmarktchancen für Diplom-Psychologen bei konstant niedriger Arbeitslosigkeit gut. Die eindrucksvollen Belege für die gesellschaftliche Relevanz des Berufsbildes Psychologe führen jedoch angesichts der in den letzten Jahren stark gestiegenen Renteneintritte zu großer Besorgnis hinsichtlich der Befriedigung des Nachwuchsbedarfs und des steigenden Bedarfes an psychologischen Dienstleistungen. Vor diesem Hintergrund sehen wir erhebliche Probleme einerseits im Hinblick auf die Nachfrage nach professionellen Psychologen und die Deckung des diesbezüglichen gesellschaftlichen Bedarfs und andererseits hinsichtlich des Einstiegs von Bachelor-Absolventen in den Arbeitsmarkt.

In den Industrieländern mit langer Tradition eines gestuften Systems von Bachelor und Master stellt sich der Arbeitsmarkt für Bachelor-Absolventen als sehr unspezifisch – d.h. außerhalb des Arbeitsfeldes psychologischer Dienstleistungen – dar. Es ist zu erwarten, dass auch in Deutschland Absolventen eines Bachelorstudiengangs der Psychologie im Wesentlichen nur Tätigkeiten allgemeiner Natur in Verwaltung und Wirtschaft aufnehmen können und in Ermangelung des Zugangs zu Masterstudienplätzen perspektivisch als Nachwuchs für den Bereich psychologischer Dienstleistungen entfallen. Da diese Bachelor mit vielen anderen Bachelor-Absolventen um die fachlich eher unspezifischen Arbeitsplätze konkurrieren, muss zudem von einem nicht geringen Anteil an arbeitslosen Bachelor-Absolventen ausgegangen werden.

Aus unserer Sicht ist daher zu befürchten, dass im Zuge der späteren Re-Akkreditierung der Bachelorstudiengänge auf der Basis von Verbleibstudien und absehbaren Arbeitslosenquoten die Anzahl von Bachelorstudienplätzen reduziert und damit das Nachwuchsproblem zusätzlich verschärft wird. Hinzu kommt, dass die Einführung einer Quote für die Masterstudienplätze dazu führt, dass die Bachelor-Absolventen sich bei vielen Universitäten gleichzeitig bewerben und der Verwaltungsaufwand im Bereich der Nachrücker verstärkt Ressourcen erfordert, die besser im Lehrbetrieb angesiedelt wären.

Aus unserer Sicht ist es daher dringend erforderlich, Quoten bei der Einführung von Masterstudiengängen an die zu erwartende Anzahl von Bachelor-Absolventen anzupassen und somit Sorge dafür zu tragen, dass alle Psychologie-Bachelor die Möglichkeit zur Erfüllung ihres Berufswunsches und damit auch des gesellschaftlichen Bedarfs erhalten. Angesichts der nach unserer Beobachtung häufig geringeren Qualität von Masterstudiengängen an privaten Hochschulen und der dortigen Konzentration auf den Bereich der Wirtschaftspsychologie sehen wir den Bildungsauftrag der Universitäten zum Wohle der Gesellschaft insbesondere für die Bereiche Pädagogische Psychologie, Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie als gegeben.

Der Verzicht auf eine Quotierung der Master-Plätze im Bereich der Psychologie steht dem Reformziel der Senkung der Raten von Abbrechern nicht entgegen, da nach unserer Einschätzung ein Abbruch des Studiums schon in den ersten drei Jahren erfolgt und insofern eine Quote bei den Masterplätzen lediglich eine Zugangshürde zum Berufsbild des Psychologen darstellt.

Neben der Anwendungspraxis stellt die Forschung in vielen Themenfeldern der Psychologie eine wachsende Aufgabe dar. Hochschulen, die sich auf die Ausbildung eines dreijährigen Niveaus konzentrieren, riskieren nicht nur den gesellschaftlichen Forschungsbedarf zu vernachlässigen, sondern auch im Wettbewerb mit anderen Hochschul-Standorten einen Nachteil zu erleiden.

Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen spricht sich gegen eine Quotierung der Masterstudienplätze in der Psychologie aus. Wir möchten Sie auffordern, mit uns gemeinsam zu Entscheidungen beizutragen, die eine ausreichende Zahl von Studienplätzen für den Master der Psychologie ermöglichen. Nur so kann der fachlich und gesellschaftlich notwendige Zugang zum Berufsbild des professionellen Psychologen für alle Bachelor der Psychologie ermöglicht werden.

Carola Brücher-Albers
BDP-Präsidentin