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Hinweise für Betroffene und ihre Angehörigen

Nach der Rückkehr der deutschen Touristen aus Südostasien spüren die Menschen, die diese Katastrophe überlebt haben, dass sie noch deutlich beeinträchtigt sind, von dem was sie dort erleben mussten. Sie sind froh, heil oder zumindest nicht schwerverletzt nach Hause zurückgekehrt zu sein. Auch Angehörige und Freunde, Bekannte oder Arbeitskollegen sind einerseits erleichtert und überglücklich, andererseits aber auch verunsichert und besorgt, wie sie ihren Angehörigen am Besten helfen und unterstützen können.

Erwachsene, Jugendliche und Kinder waren betroffen und haben die Flutkatastrophe erlebt, mussten andere Opfer in der Katastrophe beobachten, viele haben Todesangst ausgestanden. Nach einer solchen psychischen Traumatisierung zeigen viele Menschen posttraumatische Reaktionen:
Bilder und quälende Erinnerungen drängen sich immer wieder auf; manchmal tagsüber, manchmal nachts als Albträume, Betroffene leiden unter Ängsten, unter Schlaf- und Konzentrationsstörungen; sie fühlen sich in ihrer Aktivität eingeschränkt, ziehen sich zurück und fühlen sich wie betäubt in ihren Gefühlen. Scheinbar grundlos bemerken sie Wut oder Aggressionen, mit der sie ihren Mitmenschen begegnen. Mancher wird von Schuldgefühlen geplagt und meint, er habe sich falsch verhalten, oder verdiene es nicht, überlebt zu haben. Auch scheinbar rein körperliche Veränderungen wie Herzrasen, Bluthochdruck, Schwindelanfälle oder Appetitlosigkeit können Auswirkungen dieses Erlebens sein.
Bei manchen Betroffenen setzen diese Reaktionen auch erst mit erheblich zeitlicher Verzögerung ein.

Kinder, die psychisch traumatisiert aus der Katastrophe zurückkehren, zeigen Verhaltensweisen, die die Bezugspersonen in ihrer Umgebung häufig verunsichern.
Sie wollen nachts nicht mehr alleine schlafen, haben Albträume, machen Schritte rückwärts in ihrer Entwicklung: quengeln, klammern sich an, wollen getragen werden, wollen sich füttern lassen, nässen wieder ein. Manche wirken gereizt und aggressiv, andere still und eher teilnahmslos. Sie haben nicht nur die Katastrophe erlebt, sondern auch die Hilflosigkeit der Erwachsenen und Bezugspersonen beobachtet.
Jugendliche, die zurückgekehrt sind, ziehen sich zurück, wollen in Ruhe gelassen werden, wirken teilnahmslos oder schnell gereizt, machen sich große Vorwürfe oder werden von Schuldgefühlen geplagt.

Betroffene selbst und ihre Angehörigen oder Freunde sind verunsichert darüber, wie diese Reaktionen und Verhaltensänderungen einzuschätzen sind, wie man damit umgehen sollte.

Menschen, die Verwandte oder Freunde durch die Katastrophe verloren haben, müssen zudem noch Trauerarbeit leisten und neben den eigenen schweren seelischen Verletzungen auch noch den Verlust ihrer Angehörigen verarbeiten.

Clivia Langer, Sektion Klinische Psychologie
Fachgruppe Notfallpsychologie

6.1.2005